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Feldschiessen 2024
28. Mai 2024Cornelia Steffen und Ludwig Koch
FSG Hasle LU
An Auffahrt wurde als Höhepunkt des Amts- und Wyberschiesst in Escholzmatt die Schützenkönige geehrt: Cornelia Steffen und Ludwig Koch. Schon zuvor wurde beim Apéro, Festgottesdienst, Mittagessen und Festumzug Tradition und Freundschaft gepflegt.
Natürlich hätte man sich zum offiziellen Feiertag noch etwas wärmeres Wetter gewünscht – aber Hauptsache, es war trocken. Am Morgen trafen sich die vielen Gäste und Ehrengäste aus Politik, Schiessen oder Militär zum Apéro bei der «Sunnematte». OK-Präsident Franz Duss begrüsste alle herzlich und informierte über den Ablauf des langen Festtages.
Ein Ziel zum Treffen haben
Kurz vor 9.30 Uhr folgte dann der erste Umzug mit den Tambouren Entlebuch, den Fahnendelegationen, Ehrendamen, Trachtenfrauen, OK-Personal und Ehrengästen zum Festgottesdienst in die Kirche Sankt Jakob von Escholzmatt. Pfarrer Martin Walter zelebrierte eine feierliche Messe und gab seine sehr treffenden und passenden Gedanken zum Schiessen weiter. Man müsse ein Ziel haben, um zu treffen. Manchmal schaue man am Ziel vorbei – und treffe dann das Falsche. Das Ziel müsse das gute Leben und das Heil der Mitmenschen sein – beides solle man wie die Traditionen gut pflegen. Amtsschützen-Präsident Roland Röösli gedachte der vielen Verstorbenen seit dem vergangenen Schiessen 2018. Sehr schön und harmonisch musikalisch umrahmt wurde die Messfeier vom Trio Anette Unternährer (Orgel) sowie Hansjörg Bucher und Martin Bieri (Bläser der Feldmusik Escholzmatt). Nach dem eindrücklichen Schützengottesdienst gab es den obligaten Fahnengruss, den Auszug aus der Kirche und einen Umzug zur Mehrzweckhalle Ebnet. Dort wurden die Gäste bei einem sehr feinen Bankett von Festwirt Patrick Zihlmann und seinem Team samt Dessert bestens verpflegt. Es gab auch nochmals Gelegenheit, den wunderbaren Gabentempel ein letztes Mal in seiner vollen Pracht zu bestaunen. Ab 16.30 Uhr durften dann die besten Schützen im Wyberstich (bis 93 Punkte) dort die Belohnung für ihre Schiesserfolge auslesen.
Farbenprächtiger Umzug
Gut gestärkt verschoben die Gäste und Delegationen zum Bahnhof, um sich für den grossen und farbigen Umzug zu formieren. Es war wirklich ein langer und prächtiger Umzug mit sehr vielen Mitwirkenden. Es sind zu viele, um sie alle namentlich zu erwähnen, aber alle zeigten die Verbundenheit zur Tradition und zum Schiesssport: Musikvereine, Jodlerklub, Trychlergruppen, Kavallerie-Verein, Jagdgesellschaften, Alhornbläser, Fahnendelegationen, Trachtenfrauen, OK-Mitglieder, das Schützenkönigs-Paar auf der Kutsche und die vielen Gäste. Zahlreiche Zuschauer machten den Umzug und auch den darauffolgenden Festakt kurzzeitig zu einem kleinen Volksfest. Diese beiden Ereignisse wurden übrigens auch auf einem Livestream für die Daheimgebliebenen gezeigt. Der Verantwortliche des Festaktes Toni Kaufmann erzählte mit Freude, dass die Teilnehmerzahl verglichen mit der letzten Austragung in Escholzmatt zugenommen habe und die Frauen jetzt sogar in der Mehrheit seien. Es folgten diverse Ansprachen, welche mit musikalischen Intermezzi von der Kirchenmusik Escholzmatt, einer Jodler-Vereinigung aus Jodelvereinen der Gemeinde und den Alphornbläsern des Amt Entlebuch sehr schön umrahmt wurden. OK-Präsident Franz Duss hiess alle Besucher herzlich willkommen und bedankte sich bei den vielen Helfern des Anlasses für ihren grossen Einsatz auf freiwilliger Basis. Roland Niklaus als OK-Präsident des vorgängigen Schiessens 2018 in Schüpfheim sagte nach seinem damaligen Motto, man wolle das Feuer weitertragen, nicht die Asche. Er gab ein Kompliment fürs tatkräftige Organisieren des Anlasses. Man dürfe gerne gemäss Tradition die drei Symbole Fahne, Baschi und Taube weitergeben. In diesem Sinne wurden auch diese Insignien im Festakt feierlich von Schüpfheim nach Escholzmatt-Marbach überreicht.
Cornelia Steffen und Ludwig Koch
Darauf durfte Amtsschützenrats-Präsident Roland Röösli die mit Spannung erwartete Proklamierung von Schützenkönigin und Schützenkönig vornehmen. Mit mehrheitlich brillanten Resultaten wurde Cornelia Steffen Schützenkönigin: Wyberstich 100 Punkte, Ämmestich 98 Punkte und Amtsstich 239 Punkte. Sie freute sich als geübte Schützin mit dem Sturmgewehr 90 Ringkorn über den riesigen Erfolg und die grosse Ehre am Traditionsanlass. Cornelia Steffen stammt aus Wiggen, wohnt jetzt aber in Wasen im Emmental und schiesst bei der SG Trubschachen. Nebst dem Schiessen hat sie auch Interesse an Musik, Jagd und Karate – dies als Trainerin. Schützenkönig wurde Ludwig Koch alias «Bill» aus Hasle mit dem Sturmgewehr 57 Ringkorn. Der langjährige und erfolgreiche Matchschütze konnte sein grosses Palmares an Erfolgen nun mit diesem Schützenkönigstitel nochmals erweitern. Er erzielte durchs Band hohe Resultate: Amtsstich 285 Punkte, Ämmestich 94 Punkte, Wyberstich 90 Punkte und Nachdoppel 775 Punkte. Das Schützenkönigs-Paar wurde mit Kranz beziehungsweise Schleife geehrt und erhielt Blumen. Dies passte auch gut zum Bild des farbenfrohen Anlasses. Roland Röösli gab stellvertretend für alle Helfer speziell Thomas Lässer für die Installation der neuen Schützen-Software einen Dank weiter.
Entlebucher fortschrittlich
Zum Abschluss des Festaktes gab sich dann auch die Regierungsrats-Präsidentin Michaela Tschuor am Rednerpult die Ehre. Es sei für sie eine mehrfache Ehre, da zu sein. Sie sei gerne gekommen, da sie bereits früher gute Erlebnisse in der Region gehabt hätte. Zudem dürfe sie nun als erste Festrednerin am Traditions-Anlass amten – dies als Regierungsrätin zusammen mit der Weibelin Anita Imfeld und der Kantonsrats-Präsidentin Judith Schmutz. Michaela Tschuor blickte auf die Geschichte des Schiessens zurück und zeigte auch Entwicklungen auf. Zuerst durften die «Wyber» ab Ende 18. Jahrhunderts Gaben sammeln und ab Anfang 20. Jahrhundert sogar auch mitschiessen – weit bevor es in der Schweiz ein Frauenstimmrecht gegeben habe. Da beim Zürcher Knabenschiessen die Mädchen erst viel später mitschiessen durften, kam Michaela Tschuor mit Augenzwinkern zum Schluss, dass die Entlebucher um einiges fortschrittlicher seien als die Zürcher. Sie wünschte sich auch, dass es in Zukunft wieder internationale Schiesserfolge – auch durch Luzerner Frauen geben würde. Danach war der offizielle Festakt vorbei und die Frauen, welche Gaben gespendet hatten, durften das «Nidlekaffee» mit musikalischer Unterhaltung geniessen.
Schützenabend mit Ehrungen
Am öffentlichen Schützenabend wurden die besten Schützen in den diversen Stichen geehrt und ausgezeichnet. Unter anderem bekamen die Sieger des Entlebucher Jugend-Schiessen Marco Staub und Ramon Schnider ihre Ehrung und Preise. Den Abschluss bildete der allseitige Dank samt Ehrung für die grossen Arbeiten der Helfer – besonders innerhalb des tatkräftigen OKs. Es gab auch musikalische Unterhaltung einer einheimischen Band.
Dieser grosse Festtag hat gezeigt, dass die Traditionen im Entlebuch friedlich gepflegt werden sowie populär und sehr wertvoll sind – trotz oder vielleicht gerade wegen den starken gesellschaftlichen Veränderungen in der schnelllebigen Gegenwart.